Meinungen

Sucht ist eine Familienkrankheit

In jeder Suchtberatungsstelle, in Fachkliniken, Selbsthilfegruppen und Fachliteratur wird bei Suchtkrankheit von einer Familienkrankheit gesprochen! Werden Familien - Angehörige von Suchtkranken tatsächlich in die Genesung mit einbezogen?                                    Wir vom Angehörigentreff Alsdorf und Eschweiler haben uns nur mit Hilfe der Selbsthilfegruppe aus unserer CO-Abhängigkeit lössen müssen... Leider stellen wir immer wieder mit bedauern fest, dass der Familien-Angehörige das Gespräch mit dem suchtkranken Partner im Rahmen einer geschulten Person sucht, aber immer mit der Begründung:                                                                                “Der Suchtkranke ist die Person, die Hilfe sucht, und nur er ist wichtig”! “Der Suchtkranke muss seine Zustimmung zu einem Partnerschaftsgespräch geben. “Der Suchtkranke bestimmt”              

Der Angehörige wird mit seinen Sorgen um die Probleme der Partnerschaft allein gelassen. Wieder mal steht der Suchtkranke im Mittelpunkt und der Angehörige bleibt auf der Strecke. Viele Therapeuten und Sozialarbeiter vertreten die Auffassung, der Suchtkranke wird durch die Anwesenheit des Angehörigen in seiner Offenheit gehemmt. Immer wieder stellen wir fest, wie wichtig es ist, die Familienkrankheit Sucht gemeinsam zu bearbeiten. Ein Angehöriger, der sich aus der CO-Abhängigkeit gelöst hat, bringt die Problematik der Sucht ohne Verharmlosung zur Sprache. Ein Suchtkranker versucht selbst während der Genesung, die Problematik zu verharmlosen. Leider werden in vielen Fachkliniken Familien-Seminare gar nicht bzw. zu Ende der Therapiezeit angeboten, dessen Wirkung dann nicht mehr zum tragen kommt.

Wir fordern, der Familienkrankheit Sucht in der Behandlung gerecht zu werden, das heißt:verstärkt in den Behandlungsprozess der Genesung mit einbezogen zu werden!

Wir sind auch krank ( CO-Abhängig)

Roswitha Offermanns/Ursula Welley

 

Vortrag zum Selbsthilfegruppentreffen an die Fachklinik Thommener Höhe/Daun

Guten Tag meine Damen und Herren, liebe Angehörige

Mein Name ist Roswitha Offermanns.                                               Ich gehöre dem Angehörigentreff des Anonymen Freundeskreises Alsdorf an. Unsere Angehörigengruppe besteht zur Zeit aus 23 Angehörigen. Der Anonyme Freundeskreis setzt sich aus zwei gemischten Gruppen sowie eine Angehörigengruppe  aus                 ca.80 Mitgliedern zusammen.

Mit Erschrecken stellen wir Angehörigen fest wie wenig und wenn dann nur sehr eingeschränkt Partnerschaftsseminare in verschiedenen Fachkliniken stattfinden. Z.B. aus letzter Zeit hier auf Thommener Höhe, in 16 Wochen nur 1,5 Stunden.

Ist Alkoholismus eine Familienkrankheit?                                         Lesen kann man diese Darstellung überall. Die Realität sieht leider anders aus. Für den Suchtmittelabhängigen aus dieser Familie wird alles Erdenkliche getan: Entgiftung, Vorsorge, Therapie, Nachsorge und die Vermittlung in eine Selbsthilfegruppe. Wir Angehörigen werden als Co-Abhängige bezeichnet, aber selbst diese Bezeichnung wird zugunsten des Abhängigen ausgelegt, weil wir ja durch unser Verhalten den Abhängigen mehr schaden als helfen.                          Ein Leben ohne Alkohol zu führen ist im Lernprozess des Abhängigen in der Therapie sicher der erste Schritt, aber auch der kleinste.          Die Erfahrung in der Selbsthilfegruppe zeigt das ohne die nötige Veränderung in der Partnerschaft, ein trockenes und zufriedenes Leben nicht möglich ist.Um das Verständnis, was die Veränderung des Partners betrifft, sowie die nötige eigene Veränderung um sich aus der Co-Abhängigkeit zu lösen, ist ein verstärktes mit einbeziehen des Angehörigen in der Therapie des Partners für uns von größter Wichtigkeit.

Wir haben in der Selbsthilfegruppe die Erfahrung gemacht, dass Gruppenmitglieder die in Kliniken therapiert haben wo regelmässig Partnerschaftsseminare stattfanden, die Problematik der Suchterkrankung und die in der Partnerschaft viel schneller und besser aufgearbeitet haben. Man sollte sich auch einmal fragen warum 80% der Ehen erst nach einer Therapie auseinandergehen. Das muss wie wir aus eigener Erfahrung wissen, nicht sein. Die angesagte offene Ehrlichkeit, die nicht alle Abhängige mit Sicherheit in der ersten Zeit in der Therapie einbringen, könnte durch vermehrte Seminare gefördert werden und wegweisend für die weitere Therapie sein.

Unsere Forderung an den Kliniken ist, dass wenigstens                      3 Partnerschaftsseminare während der Therapie stattfinden. Das erste nach ca. 5 Wochen.Unsere Erwartung ist, dass der Bezugstherapeut mit dem Angehörigen in telefonischer Verbindung während der gesamten Therapie bleibt. Das Anstreben einer Veränderung im Therapieverlauf eines suchtkranken Partners, beruht auf die Erfahrungen die ich und die Angehörigen unserer Selbsthilfegruppe mit unserem jeweiligen Partner gemacht haben.

Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass mein Partner bis zum ersten Partnerschaftsseminar nur gelogen hat und nicht in der Lage war die Problematik offen anzusprechen. Zum Glück wie ich heute weiss, fand das erste Partnerschaftsseminar schon nach 5 Wochen statt. Ich möchte das Verhalten meines Partners nicht verallgemeinern. Aus unseren Gruppen kenne ich aber niemand der sich anders verhalten hat. Durch dieses damals kurzzeitig stattgefundene erste Partnerschaftsseminar bekammen wir beide wie man so sagt die Möglichkeit, reinen Tisch zu machen. Ich konnte zum ersten Mal in diesem für mich geschützten Umfeld, ohne Angst offen sagen wie ich meinen Partner und unsere Beziehung sah. Das offenlegen der Probleme hatte zur Folge, dass mein Partner seiner Therapeutin nichts mehr vorspielen konnte, weil diese auch auf meine Darstellung der Probleme eingegangen ist.

Wir hatten im weiteren Verlauf der Therapie in der Zeit von 19 Wochen noch weitere 4 Seminare, wodurch ich immer offener und angstfreier wurde.Ich habe mich in dieser Zeit soweit entwickelt, dass ich meine Co-Abhängigkeit völlig ablegen konnte und ein freier und selbstständiger Mensch werden konnte. Wobei auch der ständige telefonische Kontakt zu der Bezugstherapeutin meines Mannes beigetragen hat. Ich weiss heute mit Sicherheit, dass nur dieser Weg der Therapie meine Ehe gerettet hat und wir bis heute in einer sehr schönen und trockenen Partnerschaft leben können.

Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, mich hier an dieser Stelle noch einmal bei der damaligen Bezugstherapeutin meines Mannes, Frau Barbara Husseini, ganz herzlich zu bedanken.

Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit

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